Ausflug der Gruppe Morgenstund

Besuch der Neulandhalle im Dieksanderkoog

Die Gruppe Morgenstund trifft sich in der Regel am ersten Dienstag im Monat im Gemeindehaus St. Jürgen. Heute aber einmal anders: Ein aufregender Vormittag, der dann zum Highlight im Jahr 2019 erklärt wurde. Gut gestärkt nach dem Frühstück mit belegten Brötchen und Kaffee im Stehen und Sitzen im Südschiff unserer St.-Jürgen-Kirche ging es um 10.00 Uhr mit dem Bus in Richtung Dieksanderkoog. Unterwegs überbrückte Wolfgang Mohr uns mit so vielen Informationen über unser schönes Dithmarschen die Zeit. Das Wetter, das heute morgen so regnerisch war (Temperatur: 10 Grad), spielte auch mit. Als wir vor der Neulandhalle hielten, kam die Sonne heraus. Gegen 10.45 Uhr kam dann Propst Dr. Andreas Crystall, der uns an diesem Vormittag den Historischen Lernort Neulandhalle näher bringen sollte. Zuerst ging es in das Gebäude, die Außen-ausstellung sollten wir dann nach einer Einführung später besuchen. Spannend der Vortrag unseres Propsten: wir erfuhren, dass die Neulandhalle von den Nationalsozialisten 1935 als zentrale Versammlungsstätte und Gemeinschaftshaus in der Mustersiedlung Adolf-Hitler-Koog, heute Dieksanderkoog, errichtet wurde. Zur Grundsteinlegung reiste Adolf Hitler an. Der Koog war vor der Eindeichung über die Auswahl der Siedler bis hin zur Gestaltung der einzelnen Gebäude ein nationalsozialistisches Vorzeigeprojekt und damit Propagandamittel.   Nach dem Ende von Weltkrieg und NS-Diktatur wurde das Haus zunächst als gastronomische Einrichtung weiterbetrieben, bevor die damaligen beiden Dithmarschen Kirchen-kreise (Norder- und Süderdithmarschen) es 1971 erwarben. Bis 2011 nutzte die Kirche das Gebäude als Jugendarbeits- und Freizeithaus (so manchem Konfirmanden ist es heute noch in guter Erinnerung). Anschließend wurde die Umnutzung als Ort zur Auseinandersetzung mit dem National-sozialismus geplant. Im April 2017 schlossen die Landesregierung, der Kirchenkreis Dithmarschen und die Nordkirche eine Vereinbarung zum Aufbau eines „Historischen Lernortes Neulandhalle“. Das Konzept wurde federführend von Professor Dr. Uwe Danker, erstellt. Die Außenausstellung wurde am 8. Mai 2019 in Anwesenheit von 270 Gästen eröffnet und ihrer neuen Bestimmung übergeben. Seit dieser Zeit können sich Gruppen, aber auch Einzelbesuchr vor Ort ein Bild darüber machen, wie eng die nationalsozialistischen Begriffe von Lebensraum und Volksgemeinschaft miteinander verknüpft waren und was für Auswirkungen sie hatten.Die Halle, in der der Propst seine Einführung machte, bleibt grundsätzlich geschlossen und ist nur im Rahmen von Führungen, die der Verein der Volkshochschulen Dithmarschen anbietet, zugänglich. Moderne Technik macht es aber möglich die frühere Innengestaltung wiederzugeben. Durch den Verein Volkshochschulen Dithmarschen sind insgesamt 14 sogenannte Histo-Guides für die Führungen geschult worden. Die Ausstellung ist zwar zum größten Teil selbsterklärend, aber weiterführende Erläuterungen sind sicherlich wichtig. Auch das durften wir, die Gruppe Morgenstund, in der Außenausstellung dann erleben und alles bei Sonnenschein und ohne Regen. Statt Schautafeln waren mannshohe Buchstaben aufgestellt, die die beiden Kernbegriffe „Lebensraum“ und „Volksgemeinschaft“ bilden. Bei den Buchstaben von „Leben“ beispielsweise wird auf der einen Seite der Lettern die Landgewinnung an der Westküste vorgestellt und auf der anderen Seite die ideologische Aufladung derselben. Die 12 Buchstaben des Wortes „Gemeinschaft“ zeigen auf der einen Seite die Geschichte des Adolf-Hitler-Kooges und auf der Rückseite die Neulandhalle und ihre Geschichte selbst. Damit sollen Lernprozesse angeregt werden. Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Neulandhalle ein Ort ist, an dem auf die Frage eingegangen wird, wie der Nationalsozialismus funktioniert hat. Propst Dr. Crystall hat uns auch davon erzählt, dass dieser historische Lernort auch für die Familien im Dieksanderkoog wichtig sei, zu zwei Veranstaltungen waren jeweils ca. 80 Besucher anwesend. Gerade für viele diese Besucher war es wichtig, „die Möglichkeit zu haben, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, ohne beschämt zu werden“.

Noch aber ist der Historische Lernort nicht fertig. Es fehlen z.B. noch die verfremdeten Darstellungen der sogenannten Wächter, die an der Nordseite des Gebäudes standen und den Wehr- und den Arbeitsdienst symbolisierten, sowie der Bau eines behindertengerechten WC’s auf dem Außengelände.

Übrigens konnte man wenige Tage nach unserem Besuch der Neulandhalle in der hiesigen DLZ lesen, dass der Landtagspräsident Klaus Schlie erneute zu Besuch war, weil der bei der Eröffnung des Historischen Lernortes nicht genügend Zeit hatte, sich auch die Ausstellung anzusehen. Vorbehaltung und Skepsis sind inzwischen bei ihm längst verflogen: „Das ist wirklich authentisch und bemerkenswert gelungen“ lobte der Landtagspräsident vor Ort.

Diesem Lob kann sich unsere Gruppe Morgenstund nur anschließen. Selten war es bei einem Vortrag so ruhig in unserer Gruppe und alle begrüßten es sehr, dass der Propst alles so anschaulich erklärt hatte und auch für alle Fragen keine Antwort ausblieb. Einhellige Meinung war dann auch im Bus „Hier waren wir noch nicht das letzte Mal!“ Welch Lob, was wir gern auch an Propst Dr. Crystall hiermit weitergeben wollen.

Übrigens, kurz bevor es wieder in Richtung Heide ging, gab es noch Möglichkeit für ein gemeinsames Foto, leider klappte es nicht mit einem „Gesamtbild“, da bereits einige von uns schon wieder im Bus saßen, da die Zeit natürlich auch begrenzt war.

Ein aufregender Vormittag mit viel interessantem Neuen!