Krippenfiguren unterwegs in Heide

Die Krippenfiguren können in diesem Jahr nicht in der St.-Jürgen-Kirche unterkommen, deswegen sind sie in Heide unterwegs. In diesem Jahr ist alles so anders als gewohnt: Keine St.-Jürgen-Kirche, kein lebendiger Advent, keine Weihnachtsfeiern. Nähe, Distanz, Fragen, Ängste – uns beschäftigt so viel.

Wir wollen jeden Tag mit unseren etwas anderen Adventskalender ein wenig Vertrautheit zu Ihnen bringen. Die Figuren der Krippe, Bilder, Worte, Gedanken.

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

24. Dezember

Wir wünschen euch gesegnete Weihnachten.

Hier findet ihr unsere Angebote für die Weihnachtstage.

Bleibt gesund!

23. Dezember

„Hört der Engel helle Lieder“ – Für mich gehören Weihnachten und Musik einfach zusammen. Die Weihnachtslieder, die mich seit meiner Kindheit begleiten, bilden neben Krippe, Baum und Stern meine persönliche Weihnachtskulisse.
Wie gern denke ich an das erste Krippenspiel der Pfadfinder „Westwind“ in der Auferstehungskirche zurück. Da standen die Engel, manch einer etwas zerknittert und statt leuchtend weiß mit etwas schmuddeligem Gewand. Manche von ihnen hatten während der Proben überhaupt erst die biblische Weihnachtsgeschichte kennengelernt. Und nun standen sie da und sangen „Gloria in excelsis deo“ – „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Ja, Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden – das ist Weihnachten.
Pastorin Tanja Sievers

22. Dezember

Gleich drei Bekannte von mir haben sich in den letzten Monaten Hunde gekauft. Eine schrieb mir kürzlich glücklich, das Hundekind halte auf Trab und reduziere den Schlaf, wie das bei Babies üblich ist; ihres fresse allerdings mit scharfen Zähnchen alles an.
Der Hund, der zur St. Jürgener Krippe gehört, ist den Hirten zugeordnet und hatte damit richtige Aufgaben – aber sieht er nicht einfach aus wie ein Haustier?
Haustiere sind gut gegen Einsamkeit und allzu quälende Sinnsuche.
Das ist wahrscheinlich auch eine Aufgabe.
Als Jesus sagte: »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen«, bekam er zur Antwort: »Herr! Aber unter dem Tisch fressen auch die Hunde von den Krümeln der Kinder.« (Mk 7,27) Bei aller Metaphorik, die in dieser Geschichte transportiert wird, kann man auch erstmal festhalten: Menschen brauchen einander, brauchen Nahrung und Aufmerksamkeit, aber ein Hund kann ihnen dazu noch gut tun – und umgekehrt. Einen adventlichen Gruß an alle vierbeinigen Freunde!
Pastorin Luise Jarck-Albers

21. Dezember

Da sind die drei Könige unserer Krippe am Heider Rathaus angelangt. Und unser Bürgermeister hat sich sehr gern als Hausherr und Gastgeber zu den Gästen aufs Bild dazugesellt. Könige – die Bibel spricht wörtlich von drei Weisen – die stehen für Macht, für Bildung und der dazugehörenden Verantwortung. Sie sind auf der Suche – da muss es doch etwas geben, das über sie selbst hinausreicht. Und auf der Suche treffen sie auf verschiedene Menschen und Situationen. Sie rechnen mit einer neuen Macht. Und so fragen sie zuerst bei ihren Kollegen, den Mächtigen ihrer Zeit. Wären sie heute auf der Suche in Heide, so würde ihr Weg sie sicher zuerst zu Bürgermeister Schmidt-Gutzat führen. Wir sehen es auf dem Bild – die Mächtigen begegnen sich auf Augenhöhe. Unser Bürgermeister muss sich dazu ziemlich kleinmachen, damit das klappen kann – er ist höflich: Die Gäste sollen sich willkommen wissen. Wie klein sich unsere Könige machen müssen, dass ahnen sie da noch nicht. Das Kind der Weihnacht, der Sohn des Höchsten, kommt im Stall vor den Stadttoren zur Welt – bei uns in Heide wäre das am ehesten wohl eine der Wohnungen, die für Durchreisende oder Obdachlose vorgehalten werden. Der Bürgermeister hätte leicht den Weg weisen können, ist er doch Vorsitzender des KDWV, des Verbandes, der sich um Verhinderung von Obdachlosigkeit in Heide kümmert. Diese Mächtigen, die drei Könige, sind klug, sie verstehen, dass das Wichtigste der Welt, die Liebe, auch im ganz Kleinen, bei den Unwichtigen groß sein kann.
So finden die Weisen des Königs Herodes heraus: In Bethlehem soll das Gotteskind geboren werden, denn so steht geschrieben: Und du Bethlehem, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda, denn aus dir wird kommen der Fürst. – Da wird das Kleine ganz groß und so wird Weihnachten.
Pastorin Astrid Buchin

4. Advent

Am 4. Advent finden wir den Engel beim Westküstenklinikum in Heide.
Wir wünschen allen einen gesegneten 4. Advent!

19. Dezember

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“
So bitten wir, wenn wir das Vater Unser beten. Ganz selbstverständlich.
Und wir hier in Deutschland haben weltweit eine der größten Auswahlmöglichkeiten, wenn wir zum Bäcker gehen. Eine echte Handwerkskunst, die bei uns von vielen noch sehr geschätzt wird. Brot – Inbegriff von all dem, was lebensnotwendig ist. Nahrung, Wohnung, Arbeit, Menschen, die mir freundlich zugewandt sind.
Das brauchen wir, um leben zu können, um gut leben zu können. Und all das muss ich spüren können, schmecken, riechen, erleben, aufnehmen. Nahrung, und die Geborgenheit menschlicher Nähe.
Pastorin Astrid Buchin

18. Dezember

Zur Geburt Jesu kommen auch drei Könige aus dem Morgenland. Vielleicht waren sie auch Weise, Gelehrte, Wissenschaftler, Propheten. Man weiß es nicht. Nennen wir sie Könige. Sie kommen in den Stall zur Krippe. Es stinkt. Es zieht. Es ist ungemütlich. Kein Tisch, keine Tafel. Kein Stuhl. Kein Sofa. Kein Plüsch. Kein Thron. Kein Teppich. Keine Tapete. Kein Vorhang. Kein Thronsaal. Kein Schloss. Kein Reichtum. Einfach und schlicht. Armselig. Armut. In diese Situation kommen die drei Könige und bringen Gaben mit. Kostbare Gaben. Geschenke für einen König, den wahren König der Welt und der Geschichte. Weltliche Könige huldigen dem wahren König, dem Sohn des Himmelskönigs. Dieser König braucht keinen irdischen Reichtum. Er lässt sich nicht bedienen. Er dient. Er hat allen Reichtum des Himmels und der Welt: Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit. Das ist der Schatz. Das ist das Beste und Teuerste. Das Kostbarste. Und trotzdem kostenlos. Nicht wertlos, nicht umsonst. Aber reine Gnade, reine Barmherzigkeit. Das können die Könige der Welt nicht aufbieten, nicht aufwiegen, nicht überbieten. Jesus kommt mit seinem ganzen Reichtum in die Armut der Welt. Er verschenkt sich mit allem, was er hat, an die, die nichts haben. Der Reichste ist der Ärmste. Und die Ärmsten werden zu den Reichsten. Jesus macht das vor. Er zeigt, was wirklich wertvoll und kostbar ist. Er zeigt mit seinem ganzen Leben, wer wirklich König ist. Jeder König ist Diener. Jeder Diener ist König. Alle sind Könige. Alle sind Diener. Arm wird reich. Reich wird arm. Wie im Himmel so auf Erden.
Noel-Hendrik Klentze

17. Dezember

Die Krippe steht auf einem Spielplatz in Heide. Sie kommt zu den Kindern. Und viele Kinder machen sich sicherlich zur Krippe auf, um das Wunder der Heiligen Nacht zu bestaunen.
Ich sehe das Bild und muss einfach „Ihr Kinderlein kommet“ singen. Ich denke an unsere großen Familiengottesdienste mit Krippenspiel in unseren Kirchen. Dort singen jedes Jahr mehrere Hundert kleine und große Menschen mit: die einen eher zaghaft, die nächsten so kräftig, wie sie können, der eine eher brummig, die nächste glockenhell. Und so kommen viele Stimmen zusammen, die die Szene an der Krippe besingen. In diesem Jahr werden keine große analogen Krippenspiele in unseren Kirchen stattfinden. Aber das soll uns doch nicht davon abhalten, schon mal für sich selbst zu singen, oder? Stimmen Sie heute bei sich zuhause mit ein?
 
Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all’!
Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall.
Und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.
 
Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh,
Maria und Joseph betrachten es froh,
die redlichen Hirten knien betend davor,
hoch oben schwebt jubelnd der himmlische Chor.
 
O beugt wie die Hirten anbetend die Knie,
Erhebet die Hände und danket wie sie.
Stimmt freudig, ihr Kinder – wer wollt’ sich nicht freun? –
Stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein!
Pastorin Tanja Sievers

16. Dezember

Das städtische Leben ist so anders. So anders als sonst. Das Leben auf dem Markt ist anders. So leer. In Zeiten der Pandemie ist alles anders. Das ganze Leben ist anders. Die ganze Welt ist anders. So viel ist fremd geworden. So viel ist unsicher geworden. So viel Angst. So viel Panik. Aus Nähe wurde Abstand. Aus Gemeinschaft wurde Vereinzelung. Der Nächste wurde zur Gefahr, zum Risiko. Alle gehen sich aus dem Weg. Man meidet sich. Man meidet persönliche Kontakte. Man meidet fast alles. Keiner schaut mehr den anderen an. Die Maske verdeckt das Gesicht. Kein Lächeln. Kein Zwinkern. Kein Ausdruck. Man begrüßt sich mit der Faust, dem Ellenbogen oder tritt mit dem Fuß. Alles eigentlich Mittel der Gewaltanwendung und Verteidigung. Keine Veranstaltungen mit vielen Menschen, keine Feste, keine großen Märkte. Keine Reisen. Keine Besuche. Alle sollen zu Hause bleiben. Arbeiten von zu Hause. Lernen von zu Hause. Leben nur noch zu Hause. Aus Angst vor dem Tod ist das Leben verboten. Verrückte Welt. Genau in diese Zeit und Welt kommt Jesus. Wird Gott als Mensch geboren. In unseren Alltag mit Maske, Abstand, Hygieneregeln, Quarantäne, Ausgangsperre, Lockdown. Es ist eine armselige Welt. Es ist eine kranke Welt. Auch, weil es viele Kranke gibt. Eine traurige Welt. Das muss nicht so bleiben. Denn genau hier hinein bringt Jesus das Licht aus der Höhe. In die Finsternis dieser Welt, dieses Alltags. Damit es hell und lichtvoll werde. Damit es aufleuchte in der Dunkelheit. Damit die Angst erkannt werden kann. Damit die Panik entlarvt werden kann. Damit die Herzen und Seelen leuchten können. Und ausstrahlen können in diese Welt. Damit der Kandelaber auf dem Markt nicht das einzige irdische Licht bleiben muss auf dem Markt. Damit die Marktfrau nicht mehr im Dunklen und Leeren leben und arbeiten muss. Damit sie wieder eine Perspektive bekommt. Nicht verzweifelt. Nicht verzagt. Nicht Angst hat. Die Sorgen vergehen. Mut fasst. Lebensmut. Hoffnung. Dazu kommt Jesus auf die Welt. Damit er in uns geboren wird. In jedem Menschen. Damit der Welt ein Licht aufgehe.
Marktfrauen waren wahrscheinlich nicht bei der Geburt Jesu zugegen. Vielleicht aber doch. Vielleicht haben sie davon gehört. Vielleicht haben sie es weitererzählt. Den anderen Frauen und Männern, den Kindern in der Stadt. Im Land. Vielleicht haben sie so das Licht und den Glanz der Geburt Jesu, der Geburt Gottes in diese Welt den Menschen überbracht, weitergegeben. Vielleicht wurde so die Angst vor Krankheit und Tod vertrieben, die Panik beseitigt, die Gemeinschaft gestärkt, der Abstand beseitigt, die vielen Masken von den Gesichtern genommen. Man hat sich wieder in den Arm genommen, geküsst, gestreichelt, die Hände gehalten. Man hat sich wieder berührt, weil man berührt war von Jesus.
Noel-Hendrik Klentze

15. Dezember

Neulich las ich eine Umfrage, wonach die Hirten die beliebtesten Figuren in der biblischen Weihnachtsgeschichte seien. Kann ich verstehen.
Verstanden, wie lieb einem der eigene Postbote sei kann, habe ich vor vielen Jahren als ich noch in der praktischen Ausbildung zum Pastor auf einem Dorf war. Dort sollte ich im Namen der Kirche eine ältere Damen zum Geburtstag besuchen. Als ich um kurz nach 11.00 Uhr eintraf, war einer schon da – mitten in der Geburtstagsrunde unter den älteren Damen auf dem Sofa – der Postbote. Er gehörte dazu und seine Arbeit war so sehr geschätzt, dass er am Ehrentag in der Stube nicht fehlen durfte.
Und die Hirten? Ich vermute, ihre Beliebtheit kommt daher, weil man sich gerade ihnen in der Weihnachtsgeschichte so gut anschließen kann. Sie zeigen einem, wie man so als Normalo in diese große Geschichte hineinkommt: Wie man sich dieser großen Geschichte, von Gott, der Mensch wird als Kind in der Krippe annähern kann. Nichts ist berichtet darüber, dass die Hirten irgendwelche besonderen Vorkenntnisse haben oder herausragend festen Glauben, der keine Zweifel kennt. Im Gegenteil: Es reicht unter ihnen ein schlichtes „Lasst….uns die Geschichte sehen…“. Es reicht, dass sie mit Offenheit losgehen. Raustreten aus dem Alltag mit seinen Befürchtungen und nächsten Zielen – und das, was sie dort an der Krippe sehen und hören auf sich selbst beziehen.
Ich lade bisher immer noch nicht unseren Postenboten an meinen Geburtstagen auf unser Sofa ein. Aber ich habe mir mittlerweile eine kleine Tradition meiner Eltern zu eigen gemacht. Zu Weihnachten bekommt der Postbote (und der Zeitungszusteller ebenso) von uns einen Umschlag an die Haustür gelegt – mit einem Dank und einer Aufmerksamkeit. So wird er, der Überbringer, jedenfalls einmal im Jahr auch zum Empfänger. Ich weiß, weil die Austräger immer mal wechseln und weil es auch noch so viele Paketzusteller gibt, geschieht dies nur stellvertretend. Ihnen allen bin ich dankbar.
Die Hirten, die ersten Empfänger der Engelsbotschaft aus der Höhe, wechseln übrigens beinahe am Ende der Weihnachtsgeschichte auch noch ihre Rolle: Aus den Empfängern werden Überbringer: Sie „breiten das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kind gesagt war.“
Pastor Dennis Pistol
 

14. Dezember

Da steht Maria vor dem Altersheim. Manches Mal in der letzten Zeit durfte sie ihre Mutter nicht besuchen, es gab wieder einen Corona-Fall im Haus und deshalb durfte niemand hinein. Maria wollte ihre Mutter natürlich nicht gefährden, wusste aber auch, dass ihr Besuch das war, worauf ihre Mutter sich täglich freute. Dann hörte sie von den alten Nachbarn, oder von der alten Tante Elisabeth, die so überraschend schwanger geworden war. Dann leuchteten ihre Augen. Jedes Mal, wenn sie Mutter eine Zeitlang nicht besuchen konnte, dann spürte sie, dass es immer etwas länger brauchte, bis das Leuchten wieder in ihre Augen zurückkehrte. Ja, sie war gut versorgt, medizinisch war alles in Ordnung. Die Pflegekräfte arbeiteten oft bis an ihre Grenzen. Mutter war gut aufgehoben im Heim, aber der Kontakt zu ihren Lieben, den brauchte sie zum Leben, wie Brot und Licht, wie die Luft zum Atmen.
Maria aber behielt alles diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen – so hören wir in der Weihnachtsgeschichte. Marias Sohn wird von Engeln und Hirten, Königen und dem Vieh im Stall begrüßt – die junge Mutter versucht das Unbegreifliche mit dem Herzen zu fassen. Dort bewahrt sie ihre Liebe. Im Laufe ihres Lebens füllt sich ihr Herz mehr und mehr mit Liebe, mit Enttäuschung, mit Trauer. Ihre Liebe bleibt nicht allein in ihrem Herzen – sie setzt sie in Bewegung, bringt sie dazu sich zu kümmern und nicht aufzugeben.
Ich wünsche uns in diesen Tagen, dass unsere Herzen stark sind, dass wir an der Liebe festhalten und dass wir kreativ immer wieder versuchen, Nähe und Begegnung unter den Bedingungen von social distancing zu leben. Maria hilft mir als Vorbild, nicht aufzugeben, und unter erschwerten Bedingungen nicht an der Liebe zu verzweifeln.
Pastorin Astrid Buchin

3. Advent

Am 3. Advent finden wir die Hirten bei der KiTa Schatzinsel in Heide.
Wir wünschen allen einen gesegneten 3. Advent!

12. Dezember

Der Vater Handwerker, so auch der Sohn. So war das früher: Man lernte quasi von Kindesbeinen an, konnte bei der Arbeit des Vaters zusehen und hineinwachsen. Und wenn man alt und kräftig genug war, ging man dem Vater auf der Baustelle zur Hand. Ein Familienbetrieb funktioniert so. Was wird Josef gedacht haben, als sein Ältester dann so ganz aus der Art schlug, lieber die Heiligen Schriften in der Synagoge studierte und mit den Schriftgelehrten disputierte? Brotlose Kunst, die einen wirr im Kopf macht, oder war er stolz auf „seinen“ Sohn, von dem damals alle Welt sprach? Die Bibel erzählt davon leider nichts. Josef verschwindet einfach aus den Texten. Schade, seine Meinung hätte mich schon interessiert.
Pastor Andreas Sonnenberg

11. Dezember

Noch so ein erstaunliches Tier, was sich da bei der Krippe im Stall oder der Höhle bei der Geburt Jesu einfindet. Auch der Ochse ist wie der Esel ein ungewöhnlicher Besucher bei der Geburt eines Königs. Aber vom Bild des Stalles und der Geburtsszene ist er nicht mehr wegzudenken. Der Ochse liegt beim König. Oder der König liegt beim Ochsen. Der Menschensohn ist für den Ochsen etwas Besonderes. Oder auch nicht. Aber für Jesus ist der Ochse sicherlich auch etwas Ungewöhnliches. Oder auch nicht. Tier und Mensch. Groß und Klein. Gott und Schöpfung. Alles gehört zusammen. Alles lebt zusammen. Alles ist Gottes Schöpfung und genau so gewollt. Natur und Kultur.
Ochsen gehen wie alle Tiere zur Tränke. Weil sie Durst haben und trinken wollen. Menschen haben Durst und gehen zum Brunnen. Beide haben Durst. Beide wollen trinken. Müssen trinken. Sonst sterben sie sehr schnell. Es gibt aber für Menschen und vielleicht auch für Tiere einen Durst, der nicht so einfach und schnell gestillt werden kann. Es gibt den Durst nach Mehr, nach Höhe und Tiefe. Im Leben und Glauben. Nach Weite und Mitte. Ein Durst, den kein irdischer Brunnen, keine irdische Tränke stillen können. Ein Durst, der nur vom Himmel gestillt werden kann. Brunnen und Quelle ist Jesus, ist Gott. So geht der Ochse zum Stall, zur Krippe. Zur Tränke. Zum Brunnen des Lebens. Zur Quelle des Lebens. Der Ochse macht es eigentlich den Menschen vor. So wie er zu Jesus geht, so können die Menschen zu Jesus gehen. Um von der Quelle, dem Brunnen des Lebens, des wahren Lebens zu kosten, zu trinken. Um die Fülle des Lebens zu schmecken. Diese Fülle gibt es nicht irgendwo. Sie gibt es bei Jesus. Im Stall. In der Krippe. Und überall dort, wo sich Mensch und Tier von Jesus, von Gott begeistern, erfüllen lassen. Wo sie die Heilige Kraft der Schöpfung Gottes lebendig und spürbar werden lassen. Wo die Wasser des Lebens sprudeln und quellen.
Noel-Hendrik Klentze

10. Dezember

Dieses Krippentier ist ein maurischer Hund, auch Galgo Español, ein Begleiter des dunkelhäutigen Königs. Was man für Hörner halten könnte, sind die wohl typischen großen Rosenohren. Charakterlich gilt ein Vertreter dieser Rasse als ruhig und zurückhaltend, wenn er Zutrauen gefasst hat. Er ist im Allgemeinen verträglich mit anderen Hunden, lese ich, und fügt sich problemlos in bestehende Rudel ein.
Darf man so auch von Menschen sprechen? Von Menschengruppen aufgrund ihrer Herkunft? Natürlich nicht, aber es passiert. Viele Migrant*innen erleben Alltagsrassismus. „Zutrauen und Verträglichkeit“ sollten wir uns indes ruhig alle vornehmen. Eine Empfehlung: der Adventskalender der Nordkirche zum Thema Flucht.
Pastorin Luise Jarck-Albers

9. Dezember

Pferde flößen mir eine Menge Respekt ein. Begegne ich ihnen bei Spazierengehen dann mache ich einen großen Bogen und versuche, sie anzulächeln oder freundlich zu wirken, da ich immer denke, dass diese Tiere meine Angst spüren und so vielleicht merkwürdig reagieren. Anders ist es bei Eseln. Seitdem ich als Kind einmal auf einem Esel geritten bin, habe ich keine Angst vor ihnen. Im Gegenteil. Ich will sie immer streicheln und finde Esel irgendwie sympathisch. Ich habe auch vor Eseln Respekt. Damit man mich nicht falsch versteht. Aber eben keine Angst. Ich weiß. Ich sollte auch vor Pferden keine Angst haben. Aber nennen wir es einfach auch Respekt.
Jesus hat öfter mit Eseln zu tun. An zwei wichtigen Momenten in seinem Leben kommt ein Esel ins Spiel bzw. zum Tragen. Einmal bei seiner Geburt. Da ist ein Esel im Stall bei der Krippe. Und dann am Ende seines Lebens, vor seinem Tod. Beim Einzug Jesu in Jerusalem. Und sicherlich hatte Jesus in seinem Leben öfter mit Eseln zu tun. Um zu reisen im Land. Um die Lasten tragen zu lassen. Während der vielen Wege, Wanderungen, Tages- und Nachtmärsche. Allein, mit Familie, mit den Jüngern und Freunden. Jesus hat also einen ganz unscheinbaren Lebensbegleiter. Der in den wichtigsten Situationen des Lebens einfach da ist und seinen stillen Dienst tut. Ein einfaches Lasttier, ein Maulesel, störrisch, eigensinnig, oft lächerlich gemacht, geschmäht, für billiges Geld zu erwerben, kein Luxustier. Der Esel tut seine Pflicht, ist eine Art Werkzeug, reines Nutztier, Arbeitstier, ansonsten wertlos. Was zum Himmel macht ein Esel dann im Stall bei der Krippe? Wird da nicht gerade der Sohn Gottes geboren? Wird da nicht gerade Gott Mensch? Betritt nicht da der neue, der eigentliche, der wahre König die Bühne der Welt? Müssten hier nicht Pferde auftreten, edle Zuchtpferde, die bevorzugten Tiere der Könige, des Adels, der Ritter? Pferde wecken Respekt. Vor dem Tier und vor dem Reiter, der hoch zu Ross sitzt, geradezu thront. Pferde bilden die Kavallerie. Pferdestärken. Um zu kämpfen und um voranzukommen. Macht und Disziplinierung. Züchtigung und Zügelung. Doch hier ist ein Esel. Ob er dumm war, wissen wir nicht. Wahrscheinlich nicht. Immerhin wusste der Esel, wo er hingehört, wo er sein muss in diesem Augenblick der Menschheitsgeschichte. Vielleicht kannte der Esel sogar den Propheten Jesaja. Der schreibt einmal, dass der Esel die Krippe seines Herren kenne. Und so tut der Esel schlicht, was seine Aufgabe ist.
Auch vor Jesu Tod tut der Esel einfach seine Pflicht. Er trägt Jesus, den wahren König der Welt am Palmsonntag zum Einzug in die Königsstadt Jerusalem. Dieser Einzug wird prophetisch auch als Einzug Jesu in das himmlische Jerusalem gedeutet. Welche große Aufgabe da diesem Esel zufällt. Dem einfachen Lasttier. Wer hätte das gedacht. Nicht die Pferde kommen zum Zug. Nicht ihnen gebührt diese Aufgabe. Der Esel soll es richten.
Großartig! Verkehrung der Welt und ihrer Machtverhältnisse. Ganz schlicht, ganz nebenbei, ganz still.
So kann das bei Jesus laufen. So ist seine Botschaft. Werdet Esel!
Noel-Hendrik Klentze

8. Dezember

Vor Zeiten habe ich einmal einen Mann beerdigt, der kaufte seiner Frau jede Woche einen Strauß Blumen. Jede Woche frische Blumen als Zeichen seiner Liebe. Über Jahre und Jahrzehnte hat sich dieses immer neue Geschenk nicht abgenutzt. Egal wie die Woche verlief, egal in welcher Stimmung – die Blumen kamen. Einfach so. Es blieb ein Zeichen seiner Liebe, das sie empfangen hat.
Ich fand das irgendwie schön, habe es nicht vergessen.
Jetzt in der Vorweihnachtszeit und als ich dieses Bild der Figur in mitten der Auslage des Blumenladens sah, musste ich wieder daran denken: Sich einfach so beschenken lassen. Könnte das nicht eine Art sein, diese großen Zusagen, die einem in der Weihnachtsgeschichte entgegenkommen, auf sich zu beziehen? Das „Fürchtet Euch nicht…euch ist heute der Heiland geboren…“ sich schenken lassen. Viele denken beim christlichen Glauben sehr schnell an das geforderte moralische richtige Handeln. Was aber, wenn es der Weihnachtsbotschaft gar nicht zuerst darum geht, irgendetwas richtig zu machen, etwas tun oder zu lassen? Sondern in erster Linie darum, sich geben zu lassen. Und so sich selbst in einem anderen Licht zu sehen – als Angesprochene, als Beschenkter.
Ohne Wirkung ist diese Sicht auf sich selbst sicher nicht – man wird womöglich schließlich selbst zum Blumenverschenker.
Pastor Dennis Pistol

7. Dezember

Maria 2.0 heißt die Initiative, die sich dafür einsetzt, dass Frauen in der katholischen Kirche mehr Rechte haben. Sie berufen sich auf Maria, die natürlich Kind ihrer Zeit war und so lebte, wie sie lebte. Eine Frau aber auch, der das „Magnifikat“ in den Mund gelegt wurde. Eine Frau also, die eine gerechte Welt besingt, wo Arme eine Stimme haben, wo Gott als ein Gott aller Menschen gelobt wird. Maria, die als Mutter Jesu eine besondere Rolle in der Geschichte Jesus spielt. Maria, die genau zuhört, als die Hirten ihr von ihrem Erlebnis mit den Engeln berichten.
Ja, Maria hatte schon immer eine Stimme, auch wenn ihr ein Studium, geschweige denn, eine solide Ausbildung und ein eigenes Einkommen sicher verwehrt waren.
So wundert es mich nicht, dass diese starke Frau die Galionsfigur der Bewegung innerhalb der katholischen Kirche geworden ist. Und wenn ich heute andere mutige Frauen höre und sehe, die ihre Stimmen gegen das Unrecht der Welt erheben, klingt in mir das „Magnifikat“ mit: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes.“
Pastorin Tanja Sievers

2. Advent

Heute sind die Könige zu Gast beim Weltladen in Heide.
Wir wünschen allen einen gesegneten 2. Advent!

5. Dezember

Er sieht doch stattlich aus – der Baum! Wie jedes Jahr. Er wird leuchten und strahlen und uns von dem Licht erzählen, dass mit der Geburt Jesu in die Welt gekommen ist. Insofern vertraute Normalität. Aber ganz so normal wird in diesem Jahr gar nichts sein. Wir werden viel vermissen: den Budenzauber, den Glühweingeruch, die Eisbahn, die vollen Straßen und Geschäfte, die Adventsfeiern, das sorglose Zusammensein…Au Backe, dem Marktmann wird es mulmig. Wie wird er seine Ware los? Es wird bescheidener in diesem Jahr, etwas leiser und nicht ganz so trubelig. Wir tun dies aus Nächstenliebe: Rücksicht nehmen – Abstand halten – gesund bleiben. Für uns Verzicht, für manch Geschäft dagegen die finanzielle Krise. Was hilft? In diesem Jahr verstärkt regional denken und markt-gerecht handeln. Gemeinsam schaffen wir das. Damit es für alle Weihnachten werde, aber eben anders.
Pastor Andreas Sonnenberg

4. Dezember

Die ganze Geschichte rund um die Geburt Jesu birgt viel Stoff, der für mehrere Kinofilme reichen würde.
Heute lade ich Sie ein, sich folgende Szene mit Josef, Marias Mann, wie einen Kinofilm vor ihrem inneren Auge ablaufen zu lassen.
„Wir müssen reden!“ Josef schreckt auf. Hat da wer mit ihm gesprochen? Das kann nicht sein. Endlich konnte er einschlafen. Stundenlang lag er schon wieder wach und hat sich immer wieder die Frage gestellt: Mit ihr oder ohne sie?
Maria, seine Verlobte, bekommt ein Kind und das, wo sie beide noch nie, naja, Sie wissen schon. Das darf nicht sein. Und dann behauptete sie auch noch, das Kind sei Gottes Sohn. So nicht. Er muss handeln, um lebensfähig zu bleiben. Und er möchte Maria nicht zu sehr schaden. Was soll er tun?
Nach stundenlangem Grübeln weiß er es: er wird sie verlassen, klammheimlich wird er sich aus dem Staub machen. So, wie es jetzt ist, kann er nicht mit ihr leben. Das schafft er nicht.
Und nun das. „Wir müssen reden“ – War das wirklich ein Engel? Ein Bote Gottes? Der ihm aufgezeigt hat, dass es einen Weg gibt, mit Maria zu leben? Der ihm, Josef, gesagt hat, dass seine Rolle in dieser ganzen Geschichte um Maria und Gottes Kind eine entscheidende sein wird. Der ihm sagt, dass er für Mutter und Kind ein Ehemann und Vater sein wird, mit seinem ganzen Leben und seiner ganzen Seele? Sie beschützen, sie bewahren, sie so annehmen, wie sie sind?
Mit ihr leben, ohne sie leben – was soll er nur tun?
Was sagte der Engel? Immanuel – Gott mit uns. Das wird sein Sohn sein. Wunderbar, unglaublich, was für eine Zusage.
Gott mit uns, immer, ob ich mit oder ohne anderen unterwegs bin.
Josef schlief wieder ein, tief und fest.
Und so steht es in der Bibel: Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
Pastorin Tanja Sievers
PS: Herzliche Grüße an dieser Stelle an das Kino Lichtblick Heide. Wir vermissen euch und freuen uns, wenn es irgendwann wieder losgeht mit Blockbustern und Programmkino.

3. Dezember

„Mein linker, linker Platz ist frei, ich wünsch´ mir einen Engel herbei.“ Manche Menschen fehlen für immer. Manche fehlen uns einfach gerade jetzt. Bist du allein? Sei gewiss: Du bist es nie ganz. Von allen Seiten umgibt dich Gott und hält seine Hand über dir. Und vielleicht fällt dir jemand ein, für den gerade du ganz menschlich zum Engel werden kannst.

Pastorin Luise Jarck-Albers

2. Dezember

Das müssen schon ganz schön rauhe Burschen gewesen sein, die Hirten. Immerhin sind sie nachts auf dem Feld bei ihren Herden. Sie waren bewaffnet, wegen den Gefahren von Tier und Mensch. Die Herden gehörten ihnen nicht, sondern sie passten nur auf sie auf und waren verantwortlich für jedes Tier. Obwohl sie also gebraucht wurden, waren sie unbeliebt. Misstrauisch musterte man sie, wenn sie ihre Feldlager mal verließen. Wer weiß schon, was da alles so vorging!

Vermutlich hätte heute die Polizei ihr wachsames Auge auf diese zwielichtigen Gesellen gehabt. Aber im Grunde waren es arme Seelen, die ihre Zeit mit den Tieren zubrachten, bei Wind und Wetter draußen waren und nachts auf dem harten Boden einen leichten Schlaf genossen. Rauh ging es bestimmt bei ihnen zu und zimperlich durfte man auch nicht sein. So leicht waren sie nicht einzuschüchtern. Doch ein plötzliches Leuchten in der Nacht hätte wohl auch ganz andere beeindruckt. Mit einem „Fürchtet euch nicht!“ werden sie dann losgeschickt. Sie werden als erste vom Weihnachtswunder der Welt die Kunde bringen.

Pastor Andreas Sonnenberg

1. Dezember

Schafe gehören zu Dithmarschen – das ist jedem Menschen, der hier lebt, völlig klar. Ob am Deich oder auf den weiten Wiesen. Ob im Sommer am Speicherkoog oder im Frühjahr, wenn die Lämmer über die Weiden springen. Schafe sind hier nicht wegzudenken.

Schafe gehören für uns auch zur Weihnachtsgeschichte. Viele Krippendarstellungen stellen neben Maria, Josef, Hirten und Königen eben auch Schafe dar. So wie auch an unsererKrippe, die normalerweise in der St.-Jürgen-Kirche zu bewundern ist.

Hirten, die ihre Herden hüteten, erfahren wie aus heiterem Himmel von der Geburt Jesu: „Euch ist heute der Heiland geboren.“

So kommen Hirten und Schafe an die Krippe, um zu sehen, was da geschehen ist. Sich zu überzeugen, ob das stimmt, was die Engel ihnen sagten.

Für mich ein schönes Bild. Mensch und Tier stehen zusammen an der Krippe. Es wird gesprochen und geblökt und irgendwann zusammen geschwiegen in dieser Heiligen Nacht.

Pastorin Tanja Sievers

1. Advent

Den Auftakt zu unserem Adventskalender bilden Maria und Josef zu Gast beim KDWV in Heide.
Wir wünschen allen einen gesegneten 1. Advent!